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Ab heute: London-Tagebuch

Hallo,

frisch zurück aus London, noch etwas müde und fertig.
Ab heute Abend gibt es eine Woche lang täglich in Häppchen mein London-Tagebuch. Was habe ich gemacht? Wo war ich? Wie war es dort? All das erfahrt ihr hier - inklusive Showberichte von Avenue Q, Disney's Mary Poppins und natürlich Wicked.

Nur ein Wort als Vorgeschmack: Geil.

Also, bis nachher,

Bianca
5.11.06 15:13




Teil 1 - 31.10. - Happy Halloween

Mein Wecker klingelte. Es ist 4 Uhr morgens. 4 Uhr, eine unmenschliche Zeit zum aufstehen. Aber es musste sein, schließlich geht's nach London, in die Weltstadt, die absolut "cosmopolitan"... sorry, besser gesagt "OZmopolitan" ist Also, aufgestanden, die letzten Sachen zusammengepackt und ab zum Stuttgarter Flughafen um rechtzeitig für den Flug einzuchecken.
Es war schön, nach der langen Zeit wieder in einem Flieger zu sitzen, vorallem in dem einer großen Fluggesellschaft wie British Airways.

Pünktlich um 7:25 Uhr hob die Maschine dann bei einem wundervollen Sonnenaufgang ab. London is calling!
Glücklicherweise blieb der Flug ruhig und ohne große Turbulenzen. Und dazu gabs als "Breakfast Snack" etwas ganz merkwürdiges, was ich in meinem Leben noch nie zuvor gegessen habe: Red Cheddar Cheese with Mushrooms. Zu Deutsch: Ein pappiges Baguettebrötchen mit geschmolzenem Sandwichkäse und Champingnons. Als ich diese Mahlzeit sah, dachte ich zuerst: "Und sowas soll man essen können!?". Doch nach einem Bissen wusste ich die Antwort: Jawoll. Und das auch noch sehr gut, denn irgendwie hatte ich an dem mampfigen Ding gefallen gefunden.

Ein wenig O-Saft und Tee später war es dann soweit: London in Sicht! Es gab einen wahnsinnig gigantischen Ausblick auf die Stadt aus dem Flieger: Big Ben & Houses of Parliament, London Eye, Royal Albert Hall, Tower Bridge... alles von oben im Miniaturformat, einfach gigantisch... und ein paar Rüttler später war ich dann endlich auch auf Britischem Boden.
Gespannt ging es dann erst einmal mit der Underground in die City zu unserem Hotel beim Russell Square, das direkt um die Ecke vom British Museum war. Zimmer: Schön, modern, sauber, mit LCD-Breitbildfernseher. Frühstück: Reich und lecker. Mein Geheimtipp.

Ein wenig ausgepackt, frisch gemacht und ab in die große City. Und schon dort war klar: Das Wetter machte dem Spaß keinen Strich durch die Rechnung! Es war recht windig, aber mild (ca. 15°C) und das Beste: Sonnenschein pur, strahlend blauer Himmel, keine einzige Wolke am Himmel; das beste Wetter, das man sich wünschen kann, und das auch noch jeden Tag!
Auf dem Weg gabs dann auch die ersten Fotoattacken im Theatreland im West End: Dirty Dancing, Footloose, The Producers, The Lion King, Chicago, Evita, Mamma Mia!, Les Misérables, Mary Poppins... alle Theater kamen gnadenlos unter meine Linse.

Danach kamen wir letztendlich beim Covent Garden 'raus, eine wirklich kleiner, süßer Passagenbau im englischen Markthallenstil mit ganz vielen Geschäften, u.a. Whittard of Chelsea - eine englische Tea-Haus-Kette, bei der es wirklich ganz ausgefallene und leckere Teesorten gibt, wie z.B. Strawberry-Tea, von dem ich noch Tage danach schwärmte. Um die gab es dann... einen... Disney Store, bei dem es meinerseits kein Halten gab, als ich ihn von weitem erspähte und mich dort meinem Kaufrausch hingegeben habe... aber lassen wir das, das ist eine zuuu lange Geschichte

Eine paar Schritte und 100 Starbucks weiter gab es dann die nächste Fotoattack: Piccadilly Circus, der Europäische Times Square im Taschenformat, der wirklich schön, aber bei weitem nicht so beeindruckend wie der große Ami-Bruder in NYC ist. Neben dem Londoner Trocadero am Circus gab es dann auch einen weiteren Sündentempel: HMV. DVDs & CDs bis zum Abwinken, ein absolutes Paradies für meineeine. Ich bin ja schon ein großer Virgin Megastore-Fan, aber HMV war in London noch einen Tick besser. Die Auswahl ist riesig! Und wer mich kennt: Ohne Tüte komme ich aus solch einem Geschäft nicht raus

Die ganzen Geschäfte in der Innenstadt waren im Halloweenrausch - Überall Dekorationen, Kürbisse, Süßigkeiten... aber man merkte doch sehr, dass auch England wie der Rest von Europa in Sachen Halloween hinterhinkt, denn solche Trick-or-Treat-Geschichten im Ausmaß wie in den Staaten gibt es in London wohl (noch) nicht.

So blieb es dann bei einem ausgiebigen Shoppingtag, bei der ich einige DVD- und CD-Schätze mit nach Hause (bzw. aufs Hotelzimmer ) nehmen durfte, allen voran die wunderschöne Wizard of Oz-Collector's Edition-Box mit 3 DVDs... hach.
Und schon am ersten Tag musste ich erneut mehrere Vergleiche zu NYC ziehen: Der Geruch an manchen Straßenecken. Bah! Aber das ist nun eben Großstadt"flair"...
... gibt es noch weitere Parallelen zu NYC? Was bringt der morgige Tag? Und wie war eigentlich Mary Poppins?
All das und noch viel mehr gibt es morgen & übermorgen in meinem London-Tagebuch an dieser Stelle zu lesen!

Bis morgen!
5.11.06 16:56




Teil 2 - 01.11. - Auauauauau

Blick auf die Uhr. Wieder 4 Uhr. Schon wieder?! Naja, mit dem Unterschied, dass ich in London bin, im Hotel, im warmen Bettchen. Und: ich kann nicht Einschalfen, beim besten Willen nicht. Blöde Zeitverschiebung & Winterzeit. Also denkt man sich aus: Was kann man heute schönes machen? Und ehe man sich versieht ist es schon 7 Uhr.

Also raus aus den Federn, angezogen, ab zum Frühstückstisch und raus ins Getümmel, besser gesagt mitten in die morgendliche Rush Hour in London. Alle mit Coffee-to-go in der Hand, eilend, rennend, ja schon beinahe mit Ellenbogen um sich schlagend, den Weg zur Arbeit durch die Massen erkämpfend. Das ist als kleiner Touri nicht immer angenehm. Aber die Sonnenstrahlen und der wunderschöne Azurhimmel entschädigen den morgenlichen Stress,

So sind wir nach einem Start in einer wildfremde Richtung, ohne Ziel und ohne Plan beim Trafalgar Square 'rausgekommen, ein wunderschöner und sehr fotogener Platz an der National Gallery - zur rechten erblickte ich DAS Londoner Wahrzeichen in der Ferne: Big Ben. Also noch schnell geknipst und weiter getrottet, vorbei an der Downing Street, in der sich Tony Blair aufhält. 2 wackere Demonstranten, eingewickelt in dicke Decken auf Klappstühlen hatten ihr Lager davor aufgeschlagen um auf irgendeinen freien Staat aufmerksam zu machen. Tapfere Kerle.
Und: tataaaaaa - Vor uns ein Meisterwerk und genau pünktlich ging dann der weltberühmte Glockenschlag pünktlich um 10 Uhr: Dongdongdong dooong,dongdongdong dooong. Gold, braun, viktorianischer Stil... einfach wunderschön bei diesem Wetter.

Und um die Ecke: Das (derzeit noch) größte Riesenrad der Welt: London Eye, aber das wollten wir uns bei den Preisen dann doch nicht antun, daher blieb es dann bei einer Besichtigung von außen. Immerhin spare ich mir eine Stunde Zeit.

Gemütlich gingen wir weiter über die Brücke, machten einen schönen Themsespaziergang und gingen dann weiter in Richtung Belgravia, einem Viertel, in das sich glücklicherweise nur wenige Touristen verirren. Stellenweise wirkte es, als ob es eine kleine Stadt für sich wäre: Kleine Gassen, kleine Geschäfte, Bäckereien (mit leckeren Muffins!), ein kleiner Markt. Eine englische Ruheinsel abseits des Großstadttrubels...

Doch eine Straße weiter und es war wieder da: Stau, Autos, Abgase, Eile, Stress. Und so sind wir dann an der Victoria Station herausgekommen, einem der Hauptbahnhöfe von London, an der ich absolut aus dem Häuschen war, was weniger an dem Bahnhof selbst lag, sondern eher an dem benachbarten Theater - Apollo Victoria Theatre, Spielstätte von WICKED, meinem absolutem Favorit und Hauptgrund des Trips. Hier ein Foto, da ein Zoom, dort ein anderer Winkel und ein übermäßges, aufgeregtes Grinsen auf meinem Gesicht. Bald... bald... genauer gesagt am Donnerstag... lalalalala.

Okay, wieder einbekommen, aber da ich immer noch im Wicked-Vorfreudenrausch war, habe ich mir bei WHSmith gleich das Sequel zu Wicked - Son of a Witch - gekauft.
Im Laufrausch ging es dann weiter über den Hyde Park zur Knightsbridge, besser gesagt zum weltberühmten Kaufhaus Harrod's, das aufgrund der baldigen Premiere des 007-Streifens "Casino Royale" recht Bond-lastig dekoriert war. Hier ein weiterer NYC-Wink: Was Macy's für NYC ist, ist Harrod's für London. Aber für mich geht der Punkt eindeutig nach London, da Harrod's einfach, was die Auswahl und das Flair betrifft, die Nase vorne hat.

Oh, schon so spät?! Also noch schnell bei einem Mc Donald's, der ziemlich lausig war, am Leicester Square paar Bissen verdrückt, ab ins Hotel und... auauauauaua...meine Füße... wir sind alles heute zu Fuß gelaufen... fertig machen ...auauau... für den Besuch in der Cherry Tree Lane Nr.17, besser gesagt: Mary Poppins... und wie diese Show war, gibt es morgen ausführlich an dieser Stelle!

Stay tuned!

Bianca
6.11.06 17:58




Teil 3 - Supercalifragilisticexpialidocious

Voller Erwartungen und mit immernoch schmerzenden Füßen ging es in Richtung Prince Edward Theatre zu meinem neuen Musical auf der Londonreise: Mary Poppins.

Eigentlich war ich nicht der größte Fan des Filmes, weil er für mich als Kind viel zu lang und auch leicht altbacken war. Die Tatsache, dass dem Musical neue Songs hinzugefügt wurden und Disney dahintersteckt, ließ mich allerdings hoffen, dass die Show besser wird.

Das Theater war groß und wirklich, wirklich schön. Alles in elegantem rot gehalten, ein wirklich toller Saal. Nachdem ich mich dann auch mit Merchandising eingedeckt hatte, ging es zu den Plätzen, die, zu meiner Überraschung, optimal und perfekt waren, nämlich in Reihe 5, Mitte.

Der Saal verdunkelte sich dann auch fast pünktlich und die ersten Klänge zur Ouvertüre erklagen, die einem wirklich Gänsehaut bescherte. Leider gab es hier schon die erste Änderung und Überraschung: Kein Gavin Creel als "Bert" - der Schornsteinfeger und Straßenmusikant -, dafür aber ein sehr bekanntes Gesicht, nämlich der Stuttgarter Ex-Vampir Howard Jones, der seine Sache mindestens genauso gut machte. Für mich war er auf jeden Fall der perfekte Bert, weil er so schön British war und optisch sehr dem Film-Bert ähnelte und sich zudem noch als richtiges Steptalent entpuppte.

Die Bühnentechnik war sehr beeindruckend: Ein riesengroßes, überdimensionales Puppenhaus, das nach je nach Bedarf nach hinten und nach unten geschoben kann. Jedes Zimmer im Hause der Familie Banks war absolut bis ins kleinste Detail dekoriert.
Die beiden Kinder, die Jane und Michael Banks gespielt haben, waren super und sehr talentiert, vorallem im Vergleich zur Castaufnahme, da ich die stimmlich irgendwie gar nicht ab konnte, zu quietschig.

Und da kam sie auch schon mit einem großen Knall und vielen, bunten Herz-Kirschblütenblatt-Konfettis, die en masse von der Decke rieselten: Mary Poppins, die von Scarlett Strallen verköpert wurde. NIE war Mary Poppins tougher und cooler als in dieser Show! Sie ist ganz anders als Laura Michelle Kelly, die Ur-Mary Poppins in London, aber das ist auch gut so. Wunderschöner Sopran mit einer fantastischen Leichtigkeit und der gewissen Eitelkeit, die eben die Figur der Mary Poppins ausmacht - einfach "practically perfect". Und eine begabte Tänzerin - WOW, einfach klasse und absolut bewundernswert!

Das große Highlight war natürlich die Supercalifragilisticexpialidocious-Szene, bei der es auch den meisten Beifall gab - die Choreographie des Songs und die Umsetzung ist allein ein Meisterwerk für sich, da die Bewegungabfolgen brutal schnell sind.
Un danach ging plötzlich der Vorhang runter - Technisches Problem... na toll, aber glücklicherweise ging es 5 Minuten später weiter und Mary Poppins verließ zum ersten Mal die Cherry Tree Lane Nr. 17, fliegend natürlich mit ihrem Schirm, wo die Engländer ausrasteten und stürmisch applaudierten.

Nach der Pause war es spannend - kommt Mary Poppins wieder zurück? Werden die Bankskinder vor dieser neuen Vogelscheuchennanny gerettet? Natürlich, sonst wäre es ja nicht Disney
Aber meine absolute Lieblingsszene im 2. Akt: "Step in Time", die Stepszene der Schornsteinfeger auf den Dächern und Kaminen Londons. WOW, wow wow wow. Mehr kann ich dazu nicht sagen, die Choreographie ist fantastisch, alles synchron, einfach sagenhaft, wenn alle zusammen in einer Reihe steppen. Und auch ein Highlight: Bert läuft tatsächlich vertikal die Bühne rauf und steppt dann auf dem Kopf(!!) an der Decke des Bühnenrahmens! Das habe ich wirklich noch nie gesehen, das restliche Publikum schüttelte nur wie ich mit dem Kopf, der reine Wahnsinn.

Aber irgendwann mal ist auch der reinste Wahnsinn vorüber: Familie Banks hatte sich wieder lieb, Mary Poppins hatte beste Arbeit geleistet und gab allen nochmal auf den Weg: "Anything can happen if you let it"... sprach sie und flog ein letztes Mal über die Däche und dann sogar über das Publikum hinweg - ein genialer "AAAH"-Effekt, bei dem merkt, dass Mary Poppins viel zu schnell vorbeigegangen ist und ein wunderschönes Familienmusical für alle Altersklassen ist... auch ich saß mit riesigen, leuchtenden Kinderaugen da und freute mich an diesem wunderschönem Spektakel.

Mary Poppins ist nicht altbacken, Mary Poppins ist total tough und ich kann jedem die Show empfehlen. Natürlich hat sie 2-3 Szenen, die sich etwas ziehen, aber durch die den abwechslungsreichen Szenenwechsel langweilt man sich eigentlich nie richtig.

So verließ ich dann freudestrahlend das Theater mit einem Lied auf den Lippen... supercalifragilisticexpialidocious... denn genau das ist Mary Poppins...

MORGEN: TEIL 4... Tower Bridge und... WICKED
8.11.06 17:01




Teil 4 - SHOOOPPING!!!

"Over the rooftops, step in time.. Over the rooftops, step in time...never need a reason, never need a rhyme... step in time!"... jaja, Mary Poppins hat mich noch so gefesselt, dass ich noch am nächsten Tag ständig einen Song im Kopf hatte.
Heute war weniger Sightseeing, sondern eher Shopping angesagt:

Oxford Street (Virgin Megastore!! HMV!!! Disney Store!!)

Regent Street (Hamley's - Einer der größten Spielzeuggeschäfte der Welt neben F.A.O Schwartz in New York; Liberty's - Nobelkaufhaus im Fachwerkhausstil, etc etc)
Im Liberty's entdeckte ich einen schönen Schal, aber als ich dann auf das Preisschild sah (135 Pfund!), war er dann noch nicht mehr so schön

Bis wir dann Tüten über Tüten hatten und unsere Mägen sagten "Stop!". Wir schauten uns um und entdeckten einen Pizza Hut... keinen normalen, sondern ein All-you-can-eat-Pizza Hut: Einmal bezahlen - was übrigens recht preiswert war - und den Tellen so oft vollhauen, wie man will... und das Buffet war riesig: 4-5 verschiedene Pan-Pizzas, Pasta und Salate... tja, und daher haben wir uns wirklich bis zum Rand vollgefuttert bis wir nicht mehr konnten und somit waren wir bis zum Rest des Tages bedient.

Da wir dann vor Wicked - ich war schon da völlig aufgeregt - noch etwas Zeit hatten, fuhren wir dann mit unserem Underground-Day-Ticket zur Tower Bridge bzw. zum Tower of London. Und das Tming war wirklich klasse, denn wir hatten ideales und wunderschönes Sonnenuntergangslicht zum Fotografieren. Im Tower war ich dann nicht drin, weil ich da schon bei meinem ersten Londonbesuch drin und weil die Zeit sowieso schon so knapp bemessen war. Dafür war der Anblick "Tower Bridge im Sonnenuntergang" umso atemberaubender und eines DER Highlights auf dem Trip.

Umso schwerer war es dann sich loszureißen... aber für Wicked tat ich das gerne Daher ab in die Underground, zurück zum Russell Square, umgezogen und ab zum Apollo Victoria.... und das gibt es gleich im nächsten Bericht...
11.11.06 12:02




Teil 5 - I'm off to see the wizard... - WICKED Review

Endlich war es soweit: 02.11, 19:30 Uhr, der Höhepunkt und Hauptgrund, warum ich überhaupt nach London gefahren bin: WICKED, das schlichtweg beste Musical, das es derzeit gibt.

Ich war irgendwie immer noch gefesselt von den Eindrücken, die ich letztes Jahr gemacht hatte, als ich Wicked in New York mit dem Dreamteam Shoshana Bean und Megan Hilty erleben durfte und war deswegen umso gespannter, wie sich Wicked in Europa macht.

Ich war völlig nervös als ich das Theater betrat, dessen Foyer mich von der Atmosphäre ein wenig an das New Yorker Gershwin Theater erinnerte, aber nur ein wenig... lag wohl erher daran, dass alles recht grün war
Gut, mit Wicked-Merch eingedeckt ging es dann über die Treppen nach unten zu den "Stalls" (Parkett) und zu unseren Hammerplätzen (Row C, 18/19), die erst einmal völlig egal waren, weil das Bühnenbild vor der Show einen fesselt, besonders der riesige Time Dragon über der Bühne, der alles überragt. So stand ich erst einmal minutenlang da bevor ich erst realisierte, dass ich verdammt nah am Geschehen war. Und das musste bei meinem zweiten Besuch sein, wie ich mir damals in New York geschworen hatte. Da saß ich Reihe 9 Mitte, ideal für das erste Mal und den Überblick, aber während der Show schwor ich mir: "Wenn du DAS nochmal sehen solltest, sitzt du viel näher dran!". Und das habe ich London nun umgesetzt...

Es war mittlerweile 19:30 Uhr, eine Spannung herrschte im Publikum, die wirklich zereissend war. Jeder wollte, dass das Spektakel endlich anfängt und als dann die Durchsage (exakt dieselbe wie in NYC - ist es krank, dass ich selbst DEN Text schon auswendig mitsprechen konnte?!) kam und das Licht dann gedimmt wurde, wurde heftig applaudiert und gejohlt... eine Erwartungshaltung, die wirklich ungeheuerlich war.
Und - SCHLAG... daaadaadaadaaaadaaadaaa... die Ouvertüre begann furios, wie immer, und ich saß da und konnte immer noch nicht so recht glauben, dass das alles wahr ist.
Die neue Änderung zu Beginn: Kein riesiger Elphie-Hut, dafür aber eine verdammt gute Projektion aus grünen Lichtern, die sich zur Wicked Witch formen - absolut gelungen!
Bei "No-one mourns the wicked", dem Opener, lief glücklicherweise im Gegensatz zur ersten Preview alles glatt: Keine Unfälle, Glindas Bubble blieb nicht stecken - und, Oz sei dank - Helen Dallimore spielte.

Doch die Spannung blieb immer noch... spielt Idina Menzel? Auf dem absoluten Höhepunkt war ich dann, als Helen sprach "And we were both very young..." - Tür geht auf - Elphaba sprintet zum Bühnenrand - Verarbeitungssekunde - Sie ist es!! Und ich war erleichterter und zufriedener denn je... Am Anfang von "The Wizard and I" dachte ich erst, dass Idinas Stimme ganz leicht angeschlagen war, weil sie anfangs ein wenig heiser wirkte und den Song doch etwas zögerlicher als sonst sang. Der Schluss aber überzeugte mich vom absoluten Gegenteil, einfach toll.

In den nächsten Szenen machte ich mir auch eher ein Bild von Helen Dallimore. Sie legt die Rolle völlig anders an als ihre amerikanischen Kolleginnen, eher "posh" und auch hochnäsiger. Stimmlich ist sie toll, aber das richtige Timing bezüglich der Comedy fehlt leider hier und da noch. Aber ich wartete noch ab, schließlich hat sie die große Chance bei "Popular".

"Dancing through life" war wieder eine meiner Lieblingsszenen und Adam Garcia als "Fiyero" ist für mich absolut gut, entgegen anderer Meinungen. Schauspielerisch super, stimmlich gut, keine Töne versemmelt und verdammt gutaussehend - sollte nicht genau so ein Fiyero sein?! Meine Antwort: Auf alle Fälle! Daher war ich positiv über den "Coyote Ugly"-Star überrascht. man merkte ihm allerdings sehr an, dass er eine Tanzausbildung hat - ein wahrer "Hampelmann", aber nicht im negativen Sinne.

Martin Ball als "Dr. Dillamond" ist sehr gut. Ein absolut kleiner Part, aber er holt wirklich alles raus und spielt die Rolle wirklich mit Herzblut. Sehr sehr gut!

Danach war ich gespannt auf Helens Version von "Popular" - gut, tussig, lustig, aber hier muss Helen meiner Meinung nach noch ein wenig dran feilen, es fehlt hier und da noch einiges, was man auch am Publikum gemerkt hat - wie gesagt: Comedy. Das "Toss, toss" war allerdings wirklich Weltklasse, was aber auch an Idina lag, die das "Toss, toss" so wunderbar "posh" nachgeahmt hat - Fantastisch!
Aber im Gesamtvergleich muss ich zugeben: Besonders Megan Hilty, meine persönliche Glinda No. 1, und auch Kristin Chenoweth sind und bleiben unerreichbar.

"I'm not that girl" wurde von Idina wunderschön gesungen und hier wurde mir auch bewusst, wie nah dran ich eigentlich war - wäre mein Arm dreimal länger gewesen, hätte ich alle berühren können :D Aber das nur am Rande...

"One short day" war wieder ein absoluter Funsong, der mich beim Hören immer wieder aufs Neue begeistert, weil das eine wunderbare Ensembleszene ist. Auch der folgende Auftritt des gigantischen Wizardkopfes ist "absolutely stunning". Die dröhnend-bedrohende Stimme, die das ganze Theater erbeben lässt... sowas kann kein Bootleg wiedergeben. Nigel Planer ist ein guter Wizard, der ihn ehr anlegt, als ob der eher ein Zauberer ohne wirkliches Ziel im Leben ist. Sympathisch, beinahe kindlich, mit dem Humor am richtigen Platz, aber absolut unter der Fuchtel von Madame Morrible stehend - hat mir gut gefallen.
Auch Miriam Margolyes als "Madame Morrible" war absolut fabelhaft, schön intrigant und besonders bei DER Mme. Morrible-Stelle "Thisss repulsionnnn, thiiissss wiiiickeeeed wiiiitchhhhhhah!!" großartig und durch und durch bosartig.

Ich merkte nach und nach wie langsam mein Herz schwer wurde, ich saß gefesselt in meinem Sitz, weil ich wusste... "I hope you're happy... I hope you're happy now" - Diese Lyrics leiten den derzeit gigantischsten Musicalsong ein: "Defying Gravity".
Ich hatte Gänsehaut, absolute Gänsehaut. Das neue Lichtdesign war an dieser Stelle sehr auffällig, wenn man die NYC-Version kennt. Rauch, Nebel, grelles Licht, dieser grün-lila-weiße Aurora-Spot (so nenne ich den mal) auf Elphaba gerichtet und mittendrin eine sich die Seele aus dem Leib beltende Idina Menzel in Hochform - "It's meeeeee!". Ich liebe diese Stelle, in der Elphaba in die Luft emporsteigt und voller Mut allen zeigt, dass sie keiner bezwingen kann und über sich selbst hinauswächst. Und das stimmt in jeder Hinsicht, denn Idina Menzel geht wirklich so ab, wie es man sich nicht vorstellen kann. Im Vergleich zu NYC hat sie sich immens gesteigert. Alle Töne saßen perfekt, ihre Technik hat sich noch um Klassen gesteigert, obwohl man nicht glauben kann, dass Idina sich selbst übertreffen könnte - Nun, sie tat es! Und diese geile Stimme, die Effekte, die Lichter und dieses fantastische Lied in Kombination bilden eine Szene, die einmalig ist und wirklich - für mich - Musicalgeschichte geschrieben hat. DAS absolute Highlight! Wohlgemerkt im 1.Akt... denn eine Szene im 2. Akt übertrifft selbst dieses Spektakel... aber dazu später.

In der Pause war ich gar nicht mehr einzubekommen, es war einfach unglaublich und ich konnte gar nicht aufhören zu schwärmen.
Dadurch verging sie auch wie im Fluge und es ging weiter... ein weiteres Highlight ist für mich "Wicked Witch of East", die Szene, in der Elphabas Schwester Nessarose endlich die größere und für die Handlung wichtige Rolle spielt. Katie Rowley Jones war eine großartige Nessarose. Die Rolle hat nur diesen einen großen Auftritt und sie hat wirklich alles aus der Rolle herausgeholt, was man nur herausholen kann. Ich wage sogar zu behaupten, dass sie gleichauf mit der Ur-Nessarose Michelle Federer liegt. Auch James Gillian als "Boq" ist echt große Klasse, verdammt gute Stimme und sehr schön vertrottelt

Einfach nur wunderschön war "As long as your mine", das Duett zwischen Elphaba und Fiyero, das locker auch als Charts-Popballade durchgehen kann.

Aber - wie ich schon schrieb - das große Highlight fehlt noch. Ich habe von vielen im Vorfeld gehört, dass Idina Menzel einen Song so richtig "nailed", und zwar "No good deed". DAS, was Idina hier an diesem Abend ablieferte, war "superb", absolute Spitzenklasse, traumhaft, einmalig, etc etc... man findet keine Worte dafür. Ich saß da, mit offenem Mund, kopfschüttelnd, beinahe mit Tränen in den Augen bei ihrem letzten "again",... wie ein Mensch so eine Leistung erbringen kann, wahnsinn. Auch die Szene ist im Vergleich zu NYC anders: Mehr "flying monkeys", mehr rot im Lichtdesign und wieder dieser geniale Aurora-Spot zum Schluss des Songs - WOW! Die eine Stelle, bei der sie nach hinten geht und über dem Lichtspot und dem Luftgebläse steht, ist einfach genial. Unglaublich, dass so ein einfacher Effekt so wirkungsvoll ist! Beim Schlusston rastete auch der letzte Skeptiker im Apollo Vic aus, tosender Beifall, der Jubel wollte nicht verstimmen... Zum Niederknien! Allein wegen dieser Szene sollte man schon Wicked besuchen!

Das mit Abstand schönste Duett ist allerdings "For good", das über eine so wunderschöne Melodie verfügt, dass mir schon damals beim ersten Hören der CD im Dezember 2003 das Herz schmerzte. Idina und Helen interpretierten den Song emotional sehr stark mit dem gewissen Taschentucheffekt

Und schon war es soweit: Elphaba schmilzt hinter dem Vorhang dahin, der Wizard flieht, Madame Morrible wird ins Gefängnis gebracht und die Story beginnt da, wo sie aufgehört hat: Bei "No-one mourns the wicked", allerdings mit dem gewissen, traurigen Unterton, da man jetzt weiß, was wirklich passiert ist. Wegen denen, die Wicked noch nicht kennen und gesehen haben, gehe ich auf das Ende nicht mehr ein - nur, dass ich an der Stelle immer weinen muss...

"Wiiiickeeeed! *paukenschlag* Wickeeeed! *paukenschlag* Wickeeeeeeeeeeeeeeeeed!" Und aus war die Show, die ich seit einem halben jahr ersehnt hatte. Stürmischer und tosender Applaus für die Show, Standing Ovations (natürlich mir inklusive )... und leider auch wie NYC nur einen Curtain.

Noch etwas muss ich noch erwähnen: Das amerikanische Publikum ist um Klassen enthusiatischer als das britische. Mir hat an ganz vielen Stellen der Szenenapplaus gefehlt, z.B. als Glinda in der Bubble herabschwebt, die ganzen Anspielungen an den Film, bei "Popular" oder eine gewisse Szene zum Schluss. Da wird einem bewusst, dass das Bewusstsein gegenüber "Wizard of Oz" in UK ein ganz anderes ist als in den Staaten.

Mein Fazit: GEIL, GEILER, WICKED!
Es gibt für mich derzeit keine stärkere und bessere Show als diese. Ich bin umso mehr auf die Deutsche Umsetzung gespannt, wozu ich sagen muss, dass ein Haufen Arbeit auf die Stage Entertainment zukommt, sowohl bei der Umsetzung als auch vorallem bei der Cast, besonders die Rolle der Elphaba. Ich könnte auf Anhieb fast keine benennen, die heirzulande fähig färe, diese Rolle zu spielen, weil Idina Menzel und ihre Kolleginnen am Broadway die Messlatte hoch angesetzt haben. Wir dürfen gespannt sein...
Außerdem werde ich versuchen, nächstes Jahr nochmal nach London zu kommen um Kerry Ellis zu sehen, die ab Januar Idinas Part übernehmen wird und laut Berichten ebenfalls fantastisch sein soll.

Nach der Show ging es dann auch an die Stage Door, leider hatten es an dem Abend die meisten Darsteller sehr eilig, konnte allerdings von allen außer Nigel Planer ein Autogramm holen, mit Adam Garcia, Katie Rowley Jones und Martin Ball jeweils ein schönes Foto UND... das ist für mich der absolute, reine Wahnsinn.... MIT IDINA MENZEL!!!!! Fragt mch nicht, wie ich das geschafft habe, dass ich ein Foto mit ihr habe, weil sie normalerweise fast keine Fotos mit sich machen lässt. Aber, JA, ich hab es geschafft und daher hat dieses tolle, ehrenhafte Foto mit ihr und mir auch einen ganzen schönen Platz in meinem Zimmer

Soviel von diesem ereignisvollem Abend, der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Heute Abend werde ich die "Musketiere" sehen... eigentlich hatte ich mich darauf gefreut, aber durch das Schreiben des Berichts ist alles wieder hochgekommen.

Leute, freut euch auf 2007, denn da kommt endlich DAS Musical nach Deutschland. Und ansonsten: Book your tickets and fly to London/New York/Chicago/Los Angeles as fast as you can!
11.11.06 14:10


Kleiner Einschub

Ich werde eine Kerze anzünden. Essen gehen. Party machen. Sonstwas,... wenn dieser Donnerstag 'rum ist! Erst saß ich 5 Stunden an meinen Exzerpt für mein Propädeutik-Tutorium, und nun an unserem Referat über die Reisekultur des Adels, das ich mit 3 anderen am Donnerstag halten werde.

Wenn das 'rum ist, freue ich mich! Dann kann ich mich endlich anderem widmen: 3 Musketiere am Freitag (hätte nie gedacht, dass ich die Show in Stuttgart ein zweites Mal besuche! Und am 22.12 nochmal - und alles kostenlos, wie irre ist das denn!?), SWR am Samstag, die heilige Johanna der Schlachthöfe (nein, kein Splatterfilm, sondern Brecht) im Schauspielhaus, Thea Dorn im Theaterhaus... und und und. Mein Terminkalender ist voll bis oben hin.

Aber am WE geht es endlich mit meinem London-Tagebuch weiter - inkl. dem Avenue Q-Bericht.

Und in ungefähr zwei Wochen wird vielleicht wieder gefeiert, denn alles deutet daraufhin, dass Wicked nach Stuttgart kommt... okay, ich werde weiterhin arbeiten. Und wenn ich bedenke, dass ich auch noch Kerry nächstes Jahr in London sehen möchte, erst recht.

Also, wie gesagt: In wenigen Tagen geht's weiter!

Tschüssikowski sagt die Muskelkatrige von der Mattscheibe,
Bianca

(Wer meint, Tanzen wäre kein Leistungssport, liegt komlett falsch... auaua...)
28.11.06 21:24





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