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Teil 5 - I'm off to see the wizard... - WICKED Review

Endlich war es soweit: 02.11, 19:30 Uhr, der Höhepunkt und Hauptgrund, warum ich überhaupt nach London gefahren bin: WICKED, das schlichtweg beste Musical, das es derzeit gibt.

Ich war irgendwie immer noch gefesselt von den Eindrücken, die ich letztes Jahr gemacht hatte, als ich Wicked in New York mit dem Dreamteam Shoshana Bean und Megan Hilty erleben durfte und war deswegen umso gespannter, wie sich Wicked in Europa macht.

Ich war völlig nervös als ich das Theater betrat, dessen Foyer mich von der Atmosphäre ein wenig an das New Yorker Gershwin Theater erinnerte, aber nur ein wenig... lag wohl erher daran, dass alles recht grün war
Gut, mit Wicked-Merch eingedeckt ging es dann über die Treppen nach unten zu den "Stalls" (Parkett) und zu unseren Hammerplätzen (Row C, 18/19), die erst einmal völlig egal waren, weil das Bühnenbild vor der Show einen fesselt, besonders der riesige Time Dragon über der Bühne, der alles überragt. So stand ich erst einmal minutenlang da bevor ich erst realisierte, dass ich verdammt nah am Geschehen war. Und das musste bei meinem zweiten Besuch sein, wie ich mir damals in New York geschworen hatte. Da saß ich Reihe 9 Mitte, ideal für das erste Mal und den Überblick, aber während der Show schwor ich mir: "Wenn du DAS nochmal sehen solltest, sitzt du viel näher dran!". Und das habe ich London nun umgesetzt...

Es war mittlerweile 19:30 Uhr, eine Spannung herrschte im Publikum, die wirklich zereissend war. Jeder wollte, dass das Spektakel endlich anfängt und als dann die Durchsage (exakt dieselbe wie in NYC - ist es krank, dass ich selbst DEN Text schon auswendig mitsprechen konnte?!) kam und das Licht dann gedimmt wurde, wurde heftig applaudiert und gejohlt... eine Erwartungshaltung, die wirklich ungeheuerlich war.
Und - SCHLAG... daaadaadaadaaaadaaadaaa... die Ouvertüre begann furios, wie immer, und ich saß da und konnte immer noch nicht so recht glauben, dass das alles wahr ist.
Die neue Änderung zu Beginn: Kein riesiger Elphie-Hut, dafür aber eine verdammt gute Projektion aus grünen Lichtern, die sich zur Wicked Witch formen - absolut gelungen!
Bei "No-one mourns the wicked", dem Opener, lief glücklicherweise im Gegensatz zur ersten Preview alles glatt: Keine Unfälle, Glindas Bubble blieb nicht stecken - und, Oz sei dank - Helen Dallimore spielte.

Doch die Spannung blieb immer noch... spielt Idina Menzel? Auf dem absoluten Höhepunkt war ich dann, als Helen sprach "And we were both very young..." - Tür geht auf - Elphaba sprintet zum Bühnenrand - Verarbeitungssekunde - Sie ist es!! Und ich war erleichterter und zufriedener denn je... Am Anfang von "The Wizard and I" dachte ich erst, dass Idinas Stimme ganz leicht angeschlagen war, weil sie anfangs ein wenig heiser wirkte und den Song doch etwas zögerlicher als sonst sang. Der Schluss aber überzeugte mich vom absoluten Gegenteil, einfach toll.

In den nächsten Szenen machte ich mir auch eher ein Bild von Helen Dallimore. Sie legt die Rolle völlig anders an als ihre amerikanischen Kolleginnen, eher "posh" und auch hochnäsiger. Stimmlich ist sie toll, aber das richtige Timing bezüglich der Comedy fehlt leider hier und da noch. Aber ich wartete noch ab, schließlich hat sie die große Chance bei "Popular".

"Dancing through life" war wieder eine meiner Lieblingsszenen und Adam Garcia als "Fiyero" ist für mich absolut gut, entgegen anderer Meinungen. Schauspielerisch super, stimmlich gut, keine Töne versemmelt und verdammt gutaussehend - sollte nicht genau so ein Fiyero sein?! Meine Antwort: Auf alle Fälle! Daher war ich positiv über den "Coyote Ugly"-Star überrascht. man merkte ihm allerdings sehr an, dass er eine Tanzausbildung hat - ein wahrer "Hampelmann", aber nicht im negativen Sinne.

Martin Ball als "Dr. Dillamond" ist sehr gut. Ein absolut kleiner Part, aber er holt wirklich alles raus und spielt die Rolle wirklich mit Herzblut. Sehr sehr gut!

Danach war ich gespannt auf Helens Version von "Popular" - gut, tussig, lustig, aber hier muss Helen meiner Meinung nach noch ein wenig dran feilen, es fehlt hier und da noch einiges, was man auch am Publikum gemerkt hat - wie gesagt: Comedy. Das "Toss, toss" war allerdings wirklich Weltklasse, was aber auch an Idina lag, die das "Toss, toss" so wunderbar "posh" nachgeahmt hat - Fantastisch!
Aber im Gesamtvergleich muss ich zugeben: Besonders Megan Hilty, meine persönliche Glinda No. 1, und auch Kristin Chenoweth sind und bleiben unerreichbar.

"I'm not that girl" wurde von Idina wunderschön gesungen und hier wurde mir auch bewusst, wie nah dran ich eigentlich war - wäre mein Arm dreimal länger gewesen, hätte ich alle berühren können :D Aber das nur am Rande...

"One short day" war wieder ein absoluter Funsong, der mich beim Hören immer wieder aufs Neue begeistert, weil das eine wunderbare Ensembleszene ist. Auch der folgende Auftritt des gigantischen Wizardkopfes ist "absolutely stunning". Die dröhnend-bedrohende Stimme, die das ganze Theater erbeben lässt... sowas kann kein Bootleg wiedergeben. Nigel Planer ist ein guter Wizard, der ihn ehr anlegt, als ob der eher ein Zauberer ohne wirkliches Ziel im Leben ist. Sympathisch, beinahe kindlich, mit dem Humor am richtigen Platz, aber absolut unter der Fuchtel von Madame Morrible stehend - hat mir gut gefallen.
Auch Miriam Margolyes als "Madame Morrible" war absolut fabelhaft, schön intrigant und besonders bei DER Mme. Morrible-Stelle "Thisss repulsionnnn, thiiissss wiiiickeeeed wiiiitchhhhhhah!!" großartig und durch und durch bosartig.

Ich merkte nach und nach wie langsam mein Herz schwer wurde, ich saß gefesselt in meinem Sitz, weil ich wusste... "I hope you're happy... I hope you're happy now" - Diese Lyrics leiten den derzeit gigantischsten Musicalsong ein: "Defying Gravity".
Ich hatte Gänsehaut, absolute Gänsehaut. Das neue Lichtdesign war an dieser Stelle sehr auffällig, wenn man die NYC-Version kennt. Rauch, Nebel, grelles Licht, dieser grün-lila-weiße Aurora-Spot (so nenne ich den mal) auf Elphaba gerichtet und mittendrin eine sich die Seele aus dem Leib beltende Idina Menzel in Hochform - "It's meeeeee!". Ich liebe diese Stelle, in der Elphaba in die Luft emporsteigt und voller Mut allen zeigt, dass sie keiner bezwingen kann und über sich selbst hinauswächst. Und das stimmt in jeder Hinsicht, denn Idina Menzel geht wirklich so ab, wie es man sich nicht vorstellen kann. Im Vergleich zu NYC hat sie sich immens gesteigert. Alle Töne saßen perfekt, ihre Technik hat sich noch um Klassen gesteigert, obwohl man nicht glauben kann, dass Idina sich selbst übertreffen könnte - Nun, sie tat es! Und diese geile Stimme, die Effekte, die Lichter und dieses fantastische Lied in Kombination bilden eine Szene, die einmalig ist und wirklich - für mich - Musicalgeschichte geschrieben hat. DAS absolute Highlight! Wohlgemerkt im 1.Akt... denn eine Szene im 2. Akt übertrifft selbst dieses Spektakel... aber dazu später.

In der Pause war ich gar nicht mehr einzubekommen, es war einfach unglaublich und ich konnte gar nicht aufhören zu schwärmen.
Dadurch verging sie auch wie im Fluge und es ging weiter... ein weiteres Highlight ist für mich "Wicked Witch of East", die Szene, in der Elphabas Schwester Nessarose endlich die größere und für die Handlung wichtige Rolle spielt. Katie Rowley Jones war eine großartige Nessarose. Die Rolle hat nur diesen einen großen Auftritt und sie hat wirklich alles aus der Rolle herausgeholt, was man nur herausholen kann. Ich wage sogar zu behaupten, dass sie gleichauf mit der Ur-Nessarose Michelle Federer liegt. Auch James Gillian als "Boq" ist echt große Klasse, verdammt gute Stimme und sehr schön vertrottelt

Einfach nur wunderschön war "As long as your mine", das Duett zwischen Elphaba und Fiyero, das locker auch als Charts-Popballade durchgehen kann.

Aber - wie ich schon schrieb - das große Highlight fehlt noch. Ich habe von vielen im Vorfeld gehört, dass Idina Menzel einen Song so richtig "nailed", und zwar "No good deed". DAS, was Idina hier an diesem Abend ablieferte, war "superb", absolute Spitzenklasse, traumhaft, einmalig, etc etc... man findet keine Worte dafür. Ich saß da, mit offenem Mund, kopfschüttelnd, beinahe mit Tränen in den Augen bei ihrem letzten "again",... wie ein Mensch so eine Leistung erbringen kann, wahnsinn. Auch die Szene ist im Vergleich zu NYC anders: Mehr "flying monkeys", mehr rot im Lichtdesign und wieder dieser geniale Aurora-Spot zum Schluss des Songs - WOW! Die eine Stelle, bei der sie nach hinten geht und über dem Lichtspot und dem Luftgebläse steht, ist einfach genial. Unglaublich, dass so ein einfacher Effekt so wirkungsvoll ist! Beim Schlusston rastete auch der letzte Skeptiker im Apollo Vic aus, tosender Beifall, der Jubel wollte nicht verstimmen... Zum Niederknien! Allein wegen dieser Szene sollte man schon Wicked besuchen!

Das mit Abstand schönste Duett ist allerdings "For good", das über eine so wunderschöne Melodie verfügt, dass mir schon damals beim ersten Hören der CD im Dezember 2003 das Herz schmerzte. Idina und Helen interpretierten den Song emotional sehr stark mit dem gewissen Taschentucheffekt

Und schon war es soweit: Elphaba schmilzt hinter dem Vorhang dahin, der Wizard flieht, Madame Morrible wird ins Gefängnis gebracht und die Story beginnt da, wo sie aufgehört hat: Bei "No-one mourns the wicked", allerdings mit dem gewissen, traurigen Unterton, da man jetzt weiß, was wirklich passiert ist. Wegen denen, die Wicked noch nicht kennen und gesehen haben, gehe ich auf das Ende nicht mehr ein - nur, dass ich an der Stelle immer weinen muss...

"Wiiiickeeeed! *paukenschlag* Wickeeeed! *paukenschlag* Wickeeeeeeeeeeeeeeeeed!" Und aus war die Show, die ich seit einem halben jahr ersehnt hatte. Stürmischer und tosender Applaus für die Show, Standing Ovations (natürlich mir inklusive )... und leider auch wie NYC nur einen Curtain.

Noch etwas muss ich noch erwähnen: Das amerikanische Publikum ist um Klassen enthusiatischer als das britische. Mir hat an ganz vielen Stellen der Szenenapplaus gefehlt, z.B. als Glinda in der Bubble herabschwebt, die ganzen Anspielungen an den Film, bei "Popular" oder eine gewisse Szene zum Schluss. Da wird einem bewusst, dass das Bewusstsein gegenüber "Wizard of Oz" in UK ein ganz anderes ist als in den Staaten.

Mein Fazit: GEIL, GEILER, WICKED!
Es gibt für mich derzeit keine stärkere und bessere Show als diese. Ich bin umso mehr auf die Deutsche Umsetzung gespannt, wozu ich sagen muss, dass ein Haufen Arbeit auf die Stage Entertainment zukommt, sowohl bei der Umsetzung als auch vorallem bei der Cast, besonders die Rolle der Elphaba. Ich könnte auf Anhieb fast keine benennen, die heirzulande fähig färe, diese Rolle zu spielen, weil Idina Menzel und ihre Kolleginnen am Broadway die Messlatte hoch angesetzt haben. Wir dürfen gespannt sein...
Außerdem werde ich versuchen, nächstes Jahr nochmal nach London zu kommen um Kerry Ellis zu sehen, die ab Januar Idinas Part übernehmen wird und laut Berichten ebenfalls fantastisch sein soll.

Nach der Show ging es dann auch an die Stage Door, leider hatten es an dem Abend die meisten Darsteller sehr eilig, konnte allerdings von allen außer Nigel Planer ein Autogramm holen, mit Adam Garcia, Katie Rowley Jones und Martin Ball jeweils ein schönes Foto UND... das ist für mich der absolute, reine Wahnsinn.... MIT IDINA MENZEL!!!!! Fragt mch nicht, wie ich das geschafft habe, dass ich ein Foto mit ihr habe, weil sie normalerweise fast keine Fotos mit sich machen lässt. Aber, JA, ich hab es geschafft und daher hat dieses tolle, ehrenhafte Foto mit ihr und mir auch einen ganzen schönen Platz in meinem Zimmer

Soviel von diesem ereignisvollem Abend, der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Heute Abend werde ich die "Musketiere" sehen... eigentlich hatte ich mich darauf gefreut, aber durch das Schreiben des Berichts ist alles wieder hochgekommen.

Leute, freut euch auf 2007, denn da kommt endlich DAS Musical nach Deutschland. Und ansonsten: Book your tickets and fly to London/New York/Chicago/Los Angeles as fast as you can!
11.11.06 14:10
 


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